Hermann Löns (1866-1914) im 

Allertal

Der Dichter, Jäger und Naturforscher Hermann Löns setzte sich zeitlebens für den Schutz der Wälder, Moore und Heidelandschaften in Niedersachsen ein. Im Allertal bei Gifhorn hielt er sich häufiger ab dem Jahr 1904 zur Birkhahnbalz auf. Löns wohnte hier auf dem kleinen Bauernhof seines Freundes Karl Waletzky, der diesen 1903 erwarb. Er fand an dieser Landschaft so sehr Gefallen, dass er bis zur Mobilmachung 1914 hier Jahr für Jahr, meistens für einige Wochen im Spätsommer, weilte. 


Zu dieser Zeit bestand das Allertal noch aus weit ausgedehnten Heideflächen, Sümpfen, Birkenbrüchen und Mooren. Löns besonderes Interesse galt dem damals noch häufig vorkommenden Birkhuhn, welches in der ruhigen und halboffenen Landschaft geeignete Lebensräume vorfand.  So berichtet er in der Erzählung "Am Heidpump" vom Umfeld des Heidesees, "...wenn rund herum die Birkhähne kullerten, die Himmelsziegen meckerten und die Kiebitze riefen vor Tau und Tag" (Löns 1907). Die Jagd stand dabei nicht im Vordergrund – so schoss Löns nie mehr als einen Birkhahn im Jahr. 

Ungeachtet der weitestgehend intakten Natur war das Allertal zu dieser Zeit bereits durch menschliche Tätigkeiten verändert. Der Bau des Allerkanals von 1860 bis 1863 und die Entwässerung des Barnbruchs als großes Feuchtgebiet sowie der industrielle Torfabbau im Großen Moor  

bei Triangel/Neudorf-Platendorf ab dem Jahr 1850 sind nur einige Beispiele hierfür. 

Neben seiner Lyrik und Prosa, die zum Teil bis heute überdauert hat, äußerte sich Löns daher auch zum Natur- und Artenschutz im Allertal. 

So kritisierte er die massive Bejagung von Kranichen im Barnbruch und das Fehlen jagdrechtlicher Vorschriften:

„... unverständlich ist es aber, warum man den Kranich, einen durchaus unschädlichen und sehr dekorativen Vogel, mit Gewalt ausrottet. Der Staat müsste diesem herrlichen Vogel unbedingten Schutz gewähren, damit sich solche Roheiten, wie im Barnbruche bei Gifhorn, nicht wiederholen können, denn dort schossen Ausstopfer den brütenden Kranich auf den Eiern tot...“ (© Schönecke 2010). 

Außerdem engagierte sich Löns bei der Erfassung von Tier- und Pflanzenarten in der Preußischen Provinz Hannover. Für das Allertal führte er z.B. das Moderlieschen als kleine Fischart auf. Weiterhin sind Insektenfänge zwischen den Ortschaften Winkel und Ribbesbüttel überliefert. Löns diskutierte auch das Vorkommen von Wildkatzen im Allertal – vermutete die Art jedoch eher im Harz.

Die ökologischen Beeinträchigungen des Allertals durch den Menschen dauerten auch nach Löns Tod an. Zahlreiche Heideflächen und Moore verschwanden und mit ihnen charakteristische Tier- und Pflanzenarten. Während z.B. im Jahr 1955 noch bis zu 20 balzende Birkhähne auf einmal an einer Landstraße beobachtet werden konnten, so wurde im Jahr 2004 die letzte Henne im Großen Moor  gesichtet. Heute ist das Birkhuhn im Allertal ausgestorben. Solche Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung eines konsequenten Arten- und Naturschutzes.

         Fotografie von Löns im 
         Allertal, Herbst 1912
         ( © Waletzky).

Brief an Karl Waletzky vom 25.03.1908.
"Lieber Karl Waletzky,
zu Ihrem 34. Geburtstag wünsche ich Ihnen alles Gute.
Schönen Gruß,
Hermann Löns"
( © Waletzky).

Fotografie der großen Düne im Allertal aus dem Jahr 1932.
Löns beschreibt in seiner Erzählung "Das taube Tal" von 1913 die Landschaft des Allertals 
( © Hannoverscher Anzeiger 1932,  

© Privatarchiv Waletzky).

Postkarte eines Sandwegs an der Gifhorner Heide aus den 30er-Jahren, möglicherweise heutiger Verbindungsweg Kellerberg in Richtung Waldsee, den Löns nutzte 

(© Waletzky).

Heinz Sielmann (1917-2006) - 

Biotopverbund im Nettetal

"...Ich war extra früh aufgebrochen, damit ich noch vor Sonnenaufgang an den Wiesen sein konnte. Dichter Nebel nahm mir die Sicht, ich konnte nur die Gräser um mich herum erkennen..." 
So beschreibt der Tierfilmer und -fotograf, Autor und Naturschützer Heinz Sielmann den entscheidenden Morgen am "Frischen Haff" in Ostpreußen Anfang der 30er-Jahre, an welchem sich der Wunsch entwickelte, die Vielfalt der Natur besser verstehen zu können. Über die Jahre hinweg entwickelte sich aus dem interessierten Schüler, der im heimischen Garten Kreuzspinnen beim Netzbau beobachtete, ein engagierter Naturforscher, der unzählige Arten und Lebensräume auf sieben Kontinenten in Bild und Ton festhielt. Aufbauend auf diesen Beobachtungen erlebte er auf seinen teils mehrmonatigen Reisen den zunehmenden Druck auf die Ökosysteme unserer Erde hautnah mit. Sielmann setzte sich daher stets für den aktiven Naturschutz ein und machte auf ökologische Probleme aufmerksam. 

Insbesondere der Schutz von Flüssen und Auwäldern als Lebensadern der Landschaft lag Sielmann am Herzen. Sein Lieblingstier, der Fischotter (Lutra lutra), steht mit seinem großen Aktionsradius  stellvertretend für die Bedeutung dieses Lebensraumes. So verwundert es nicht, dass Sielmann mit der Gründung der Heinz Sielmann Stiftung unter dem Motto "Naturschutz als positive Lebensphilosophe" im Juni 1994 auch den Biotopverbund als wegweisendes Ziel bekannt gab.
Seit dem Jahr 2018 zählt auch das im Ambergau gelegene Nettetal zu diesem Verbund - das ökologische Flächenmanagement wird von der Stiftung übernommen. Das ursprünglich von Auwäldern, Feuchtwiesen und Wasserflächen geprägte Nettetal wurde spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg durch Trockenlegung, Nutzungsintensivierung, Flurbereinigung und Umweltverschmutzung stark verändert. So verschwanden auch die auentypischen Arten wie z.B. der Weißstorch (Ciconia ciconia) ab 1950 bei Bilderlahe oder diverse Ackerwildkräuter wie z.B. die Korn-Rade oder der Gelbe Günsel.
Entsprechend der Philosophie von Heinz Sielmann, dass ein ganzheitlicher und effektiver Schutz von intakten Restbiotopen nur durch Kauf derselben z.B. durch Vereine möglich ist, erwarb der 1983 gegründete Verein Aktion Naturland e.V. aus Seesen zahlreiche ackerbaulich genutzte Flächen entlang der Nette in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft. Heutzutage brüten wieder Weißstörche im Nettetal und auch die 1985 drainierte und 1993 von der Klosterkammer erworbene Teichwiese konnte als Feuchtbiotop mit einer einzigartigen Libellen- und Wasservogelfauna renaturiert werden.


Leere Großmuschelschalen an der Nette bei Werder (Landkreis Hildesheim), darunter die streng geschützte Bachmuschel (Unio crassus) (© Münzenrieder 2025).

Das Grünland im Nettetal Anfang Mai bei Mechtshausen
(© Münzenrieder 2024).

Die Nette bei Burg/Mechtshausen verläuft noch weitgehend naturnah durch Wiesen und kleine Auwälder (© Münzenrieder 2024).

Hinweis: 

Nicht alle naturkundlichen Dokumente zum Allertal und Ambergau aus Privatbeständen können/sollen hier vorgestellt werden. Die Nutzung und Vervielfältigung der hier aufgenommenen Fotos etc. ist nur mit Einverständnis des Urhebers (siehe ©) erlaubt. Wenn Interesse an weiteren Dokumenten besteht, gerne per Mail melden.

Quellenverweise

 

Beyerbach U, Junge C, Dähler H, Sirrenberg A, Klein H-E, Schlicht R & Boog O. 2003. Aktion
   Naturland Seesen. Projekt Nettetal. Goslar: Studio Volker Schadach.
Blüchel K. 1985 (Hrsg.). Schützt unsere schöne Natur. Heinz Sielmann. Köln: NATURALIS
   Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH.
Castelle F. (Hrsg.) 1925. Hermann Löns. Sämtliche Werke in acht Bänden. Leipzig: Hesse & Becker
   Verlag.
Gifhorner Rundschau 1978. Erinnerungen an Hermann Löns: Jede Begegnung war
   ein großer Gewinn.
Gifhorner Rundschau 1985. Zwischen Heidmark und Papenteich.
Grunert H. 1988. Die Schlatts der Fahlen Heide. In: Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg (Hrsg.):
   Reizvolle Fluss- und Seenlandschaften im Raum Gifhorn/Wolfsburg. Band 4 Schriftenreihe zur
   Heimatkunde der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. 127-132.
Hannoverscher Anzeiger 1932. Hannover Land und Nachbargebiete. Hermann Löns und die Heide um
   Winkel. 166: 13.
Löns H. 1904. Bitte, die Wirbeltiere Hannovers betreffend. Jahresberichte der
   Naturforschenden Gesellschaft Hannover 54:247-264.
Löns H. 1907. Am Heidpump. In: Mein braunes Buch. Haidbilder. 17. - 21. Tausend. Hannover: Adolf
   Sponholtz-Verlag GmbH. 139-145.
Schmatzler E. 2015. Moornutzung und Moorschutz in Niedersachsen – Geschichtlicher Rückblick und
   zukünftige Entwicklung. Peatland use and peatland protection in Lower
   Saxony - Historical review and future development. TELMA 5:19-38.
Schönecke H. 2010. ...nur ödet mich das miese Wetter. Auf den Spuren von Hermann Löns in der
   Südheide bei Gifhorn“. Originalausgabe, 2. Auflage 2010. Gifhorn: Calluna Menschen & Medien.
Sielmann Produktion 1992. Sielmann 2000. Mein Leben für die Wildnis. Flein. Frankfurt am Main: EK
   Concept GmbH/ RTL plus.
Perkuhn E. 1987. Auch längs der Nette sollte es an Ackerrändern wieder blühen. In: Längs der Nette.
   Heimatkundliche Blätter aus dem Ambergau 3: 54-56.
Wübbenhorst J. & Prüter J. 2007. Grundlagen für ein Artenhilfsprogramm "Birkhuhn in
   Niedersachsen". In: Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen 42: 1-114.